
Welt in Ketten
Dieser Artikel ist lang. Denn hier beginnt die Geschichte meines Blogs.
Ich kann nicht sagen, dass dieses Jahr finanziell unbefriedigend war. Nein. Es ist eigentlich eher ein tägliches Fiasko.
Gestern erhielt ich wieder einmal recht persönliche Post meines Kreditgebers, der mein Auto finanziert hat, die Telefongesellschaft meint, ich hätte nun noch einige Tage Zeit zum Telefonieren, dann wird erstmal die Leitung gekappt (und damit die Verbindung in’s Internet), der Mobilfunkbetreiber wird wohl mittlerweile festgestellt haben, dass der Bankeinzug meiner Handy-Rechnung storniert wurde, die Stadtwerke werden mir hoffentlich nicht kurzfristig den Strom abdrehen. Diese Liste erhebt bei weitem keinen Anspruch auf Vollständigkeit, die Anzahl derjenigen, die um meine Arbeitskraft bangen, ist erheblich größer
Dennoch bin ich guter Dinge! Ja, wirklich. Das läuft nun seit Februar so. Seit sieben Monaten also. Es begann kurz nachdem ich von zuhause auszog. Mit dem Tag, als ich meine Frau und meine Kinder mit den beiden Häusern und dem Fuhrpark zurück ließ. Dem Tag an dem ich meinen Entschluss in die Tat umsetzte und ging.
Die Kaution für die Wohnung konnte ich noch bezahlen. Aber schon mit dem Kauf der Waschmaschine und des Trockners ging es los. Ich war pleite, bevor ich zum ersten mal in diesem Leben eine Unterhose gewaschen hatte. Und das immerhin als Mittvierziger. Gespart wird an allem. Essen ist Luxus, Luxus ist unmöglich.
Wie gesagt – heute ging es mir besonders gut. Zwar bin ich eh ein positiver Mensch mit dem steten positiven Blick nach vorn, aber dieses Jahr war der Grauschleier drin. Warum bin ich heute besonders gut drauf? Dazu hole ich nochmals kurz aus, denn auch das ist Teil dieses Blogs…
Vor einigen Wochen entschied ich mich, ein Softwaresystem zu entwickeln, auf dessen Basis man wiederum ohne großen Aufwand weitere Software entwickeln kann. Wir Computerfuzzies nennen so etwas ein ‘Framework’. Das Framework ging flott von der Hand und ist recht zufriedenstellend geworden. Seit einigen Tagen arbeite ich an der nächsten Stufe, einer Software, die sich vermarkten lässt. Diese Software soll mich aus dem Sumpf ziehen. Sie ist gewissermaßen mein eigener verlängerter Arm. Soweit so gut.
Heute telefonierte ich mit meiner kleinen Schwester, die mir bereits zu Beginn meines Solo-Daseins anbot, Geld zu leihen. Heute habe ich mich durchgerungen, dieses Angebot anzunehmen. Denn nun habe ich einen Plan, wie ich es ihr später einmal zurückzahlen kann.
Tja – und genau davon soll dieser Blog berichten. Ob und wie ich es schaffe, meine Schulden zu begleichen. Schulden bei den Banken, Telefongesellschaften, Bettenverkäufern, Fahrradherstellern, Autohändlern, Energieversorgern. Und – viel wichtiger – meine Schulden bei meiner kleinen Schwester.